Erinnerungen an Ort der Kindheit

Suna Pfeif blickt durchs Kameraobjektiv auf das alte Waldschwimmbad zurück

Offenbach Post vom 24. März 2026 – von Michael Prochnow

Es war ein Wochenende der Wehmut in der „liebenswerten Kleinstadt“. Erinnerten im Bürgerhaus die Rhythmen der 1980er und 90er Jahre an ausgelassene Jugendtage, gelang das Suna Pfeif im Karl-Mayer-Haus. Die in Obertshausen aufgewachsene Kommunikationsdesignerin blickte durchs Kameraobjektiv zurück auf das alte Waldschwimmbad.

Für ihre Diplomarbeit sprang sie als „Nichtschwimmer“ in das trockengelegte Hallenbad, stellte Models auf Sprungbretter und Keramik. Ihren Eindrücken stellte Armin Paul, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, die nackten Fakten des Aus- drucks heimischen Lederwaren-Wohlstands voran.

Das Hallenbad war von 1966 bis 2002 geöffnet, das Freibad bot noch bis 2007 Erfrischung bei sommerlicher Hitze. Bis heute weist noch ein altes Straßenschild auf die gemeinsame Einrichtung der einst selbstständigen Gemeinden Hausen und Obertshausen hin. Sie sorgten bereits vor 100 Jahren für Badespaß. Das Rodaubad in Hausen lud in den 1920er bis 30er Jahren in die Nähe des Friedhofs ein, das Quellbad in Obertshausen befand sich von 1931 bis ’35 in Höhe der heutigen Otto-Wels-Straße am Bahnhof. Durch „Pfusch am Bau“ verlor es jedoch viel Wasser. Erweiterungspläne der Nazis, in der Mühlstraße die „Gesundheit zu fördern“ und ein größeres Bad zu bauen, wurden nie verwirklicht.

Stattdessen gründeten beide Kommunen 1961 einen Bäderzweckverband Hausen und Obertshausen. Die Region boomte durch Babbscher und andere Betriebe, öffentliche Gebäude wie Rat- und Bürgerhaus stammen aus dieser Zeit. Das Waldbad war das größte und modernste über Hessen hinaus.

Im vorderen Gebäudeteil residierten die „Discotheque White Point“ und das „Ristorante Pizzeria Ciro Vitiello“. Bilder von Chlorraum, Trockenluft- und Aufbearbeitungsanlage sowie von der bundesweit zweiten Ozonanlage sind erhalten. Und Dokumente vom ersten Vorstand der DLRG, vom medizinischen Badebetrieb mit Sauna von Horst und Monika Greff.

Andere Bilder zeigen die Schwimmmeister, Wassergymnastik und die Rot-Kreuz-Station, die kleine und ab 1985 die 75 Meter lange und elf Meter hohe Rutsche. Die 95.000 Quadratmeter Liegewiese wurden fürs Sportzentrum auf 60.000 reduziert. Auf der Fläche der Sporthalle existierte eine Minigolfanlage. In den 90er Jahren wurde noch das Kinderbecken erweitert.

„Ich habe gefühlt meine ganze Kindheit im Bad verbracht“, schwärmte Suna Pfeif. Kratzer am Knie zeugen noch von Stürzen auf den Betonplatten, Schmerz lässt an Bienenstiche zurückdenken. Sie konnte es kaum glauben, als 2002 ihre Tante und Trainerin für Wassergymnastik, Marga Hornof, anrief und mitteilte, das Bad soll geschlossen werden.

Die junge Fotografin durfte 2005 eine Begehung und Inszenierungen von Aqua-Fitness mit Tante, Onkel, Kleingärtnern und dicken Schaumstoffmatten im Becken machen. DLRG-Kinder mimen auf Turm, Startblöcken, Flossen und Schnorchel das Eintauchen. Die Studentin hatte dazu eigens eine Versicherung abgeschlossen.

„Jeder hat eigene Erinnerungen“, erfuhr sie bei Interviews an den Arbeitsplätzen von Bademeistern und Schwimmlehrern. „Im Grunde habe ich jeden Stein im Schwimmbad fotografiert“, sagt die Designerin, entdeckte dabei, „mit wie viel Liebe zum Detail dieses Bad gebaut wurde“. Die Dokumentation sieht in der Architektur „fast etwas Ruhiges, Schönes, Sakrales“.

Kommunikationsdesinerin Suna Pfeif spricht im Karl-Mayer-Haus über das alte Waldschwimmbad.

Bilder aus dem Buch von Suna Pfeif „NichtSchwimmer“ aus dem Jahr 2006. Das Buch zeigt auf 84 Seiten die Geschichte des Waldbades von 1966 bis 2006. Es ist eine Dokumentation des Zustands vor dem Abriss des Bades im Jahr 2009.

„Leiter“, die im Hallenbad auf den Sprungturm führte. – 2006
„Startblock“, der einen in das 25-Meter-Becken eintauchen ließ. – 2006
„Gelbe Matten“ im leeren Schwimmerbecken des Hallenbades. – 2006