Boten von Frühling und Auferstehung

Traditionelle Osterausstellung im Karl-Mayer-Haus zeigt künstlerisch gestaltete Eier

Offenbach Post vom 22. Januar 2026 – von Michael Prochnow

Sternsinger künden vom Weihnachtswunder und für Fastnachter liegt der Aschermittwoch noch in weiter Ferne. Sie sollten einen Bogen um das Karl-Mayer-Haus schlagen, denn dort ist bereits Ostern eingezogen! Die Seligenstädter Künstlerin Hildegard Flechsenhar, mit ihrem offenen Handarbeitstreff Stammgast im Werkstattmuseum, präsentiert ab Sonntag kostbar verzierte und verkleidete Eier als Boten von Frühling und Auferstehungsfest.

In den Vitrinen glänzen die ovalen Symbole mit gestrickten, geklöppelten und geritzten Kleidern, gefertigt nach Traditionen aus hessischen Tälern, aus dem Böhmer- oder dem Odenwald. Frauen aus Oberschwaben haben Hühnereier mit Occhi-Motiven überzogen. Netze aus Blüten und Blättern entstanden aus Fäden, die mit Schiffchen, Schlingen und Doppelknoten gewickelt wurden. Mithilfe dieser Technik ent- standen auch dreidimensionale Blüten.

Aus aufgebrochenen, mit Ornamenten verzierten Schalen purzeln Perlen und Pailletten. In einem sauber geöffneten Ei blinken die gleichen Schmuck- elemente, zusammengefügt zu Flügeln eines Schmetterlings. Auf den Glasplatten hat Ausstellerin Flechsenhar immer wieder schicke Arrangements aus Exponaten einer Gruppe gestaltet.

Andere Eier sind eingehüllt von einem Textilkleid in Form eines Osterhasen, der mit Kreuzstich entstand. Die „Ostervögel“ tragen Kopf und Flügel aus gefaltetem Papier. Diese „Heilig-Geist-Taube“ wurde vor allem in den Dörfern Wersau, Brensbach und Donebach im Odenwald kreiert und als Glückszeichen in den Herr- gottswinkel eines Zimmers gehängt.

Andere Eier wurden vor der Verzierung mit kleinen Zuckerstücken oder drei Erbsen gefüllt, sie dienten Kindern als Rasseln. Die Streifen wurden stets mit Mehlkleber aufgetragen. „Damit konnte auch nichts passieren, wenn die Kleinen die Rassel in den Mund nahmen“, weiß Flechsenhar.

„Was mir Dein Herz gegeben, ist Glück fürs ganze Leben.“ Den Satz ritzte eine der beteiligten Damen zwischen Zierbändern aus Ornamenten und Blüten in die Kalkoberfläche. Das Straußenei, das Gerd und Gerlinde Rommel den Expertinnen mitgebracht haben, ist mit Wachsummantelt und wurde wohl in Oberhessen gestaltet. Die Leihgaben stammen von Rita Bork, Karin Cloos, Ute John, Maria Kilian, Karin Schneider, Marianne Urban und Anne Urban von der Deutschen Spitzengilde, die ebenfalls im Museum beheimatet ist, sowie von den Occhi-Freunden Oberschwaben.

Jedes für sich ein kleines Kunstwerk: Die künstlerisch gestalteten Ostereier im Karl-Mayer-Haus sind echte Hingucker.
Eingekleidet oder bemalt – es gibt viele Varianten, Eier zu gestalten.
Lebensweisheit in Wachs geritzt.