3. April 2022

O06 – Dalles – Der alte Dorfplatz

O05 – Dalles – Der alte Dorfplatz

Der Begriff Dalles ist jiddischer Herkunft und stammt vom hebräischen dal, dalut, dallûṯ für Armut bzw. vom (west)jüdischen dáless für Not, Armut, Bankrott, Elend ab. Im Hessischen erscheint Dalles dann auch als Name für einen Platz im Dorf, an dem man sich trifft. Die Bezeichnung wurde vermutlich vom Frankfurter oder Mainzer Dalles auf andere Dorfplätze übertragen; denn dort war der Treffpunkt der armen Kleinhändler.[1] In Obertshausen wird der Platz zwischen der Wilhelm-Heusenstammer-Bahnhof- und Waldstraße im Volksmund „Dalles“ genannt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lag dieser Platz noch am Rand des Dorfes.

[1] Siehe Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS) unter „Flurbezeichnungen“: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/shfb/id/618

Blick vom Dallas in die Heusenstammerstraße

Kolonialwarenladen und Restauration Danz. Blick vom Dalles in die Heusenstammer Straße.

Der ehemalige Rektor der Joseph-von-Eichendorff-Schule und Ortschronist Heinz Kahl schreibt in seinen Erinnerungen, dass ihm ältere Einwohner noch in den 1960er Jahren erzählt haben, wie sie mit ihrer Mutter oder Großmutter zum „Backes“ – dem Gemeindebackofen – gingen, um das Brot zu backen.

Der „Backes“ stand auf dem Dalles, nämlich auf dem Grundstück Obergasse/Ecke Heusenstammer Weg, heute das Haus an der Ecke Wilhelmstraße/Heusenstammer Straße. Das Häuschen hatte eine etwa 5 qm große Fläche, war annähernd 2 m hoch und besaß ein Ziegeldach. Die Wände waren in Bruchsteinstücken hochgezogen mit einem Rauchfang und Kamin an der hinteren Seite. Die Vorderseite präsentierte eine große Eisentür, darunter ein etwas kleineres Feuerloch.

Kurz vor der Jahrhundertwende, um 1890, verschwand das Backhäuschen, und der freie Platz diente für wenige Jahre als Kerbplatz, als Standort für Karussell und Schiffschaukel. 1907 baute Anton Roth an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus. In den ersten Jahren waren hier ein Lebensmittelgeschäft und ein Wirtshaus der Familie Danz untergebracht. Danach diente es der Spar- und Darlehnskasse (später Volksbank) als Filiale und zuletzt war in den Räumlichkeiten eine Videothek zu Hause.

Der „Backes“

Der „Backes“ – Zeichnung von Heinz Kahl

Im Jahr 1809 entstand auf dem Grundstück Obergasse/Ecke Hausener Weg das erste Schulgebäude; es war auch der erste Backsteinbau in Obertshausen.

Der Eingang zur Schule war von der Wilhelmstraße aus. Im Dachgeschoß dieses Gebäudes befand sich eine bescheidene Wohnung für den Schulmeister. Der Platz hinter dem kleinen Gebäude diente als Schulhof.[1] Später war hier die Bürgermeisterei untergebracht. Im Jahr 1938 wurde das Gebäude aufgestockt und erhielt seine heutige Gestalt. Vor dem einstigen Schulhaus war für lange Zeit die Fuhrwerks- bzw. Brückenwaage der Gemeinde installiert, die im Jahre 1956 aufgegeben wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung sprunghaft an und die Bürgermeisterei wurde schnell zu klein. Deshalb baute man im Jahr 1965 ein neues Rathaus an der Beethovenstraße. Die alte Bürgermeisterei wird bis dato als Jugendhaus genutzt, ist baulich aber leider zwischenzeitlich in einem sehr schlechten Zustand.

[1] Nach Heinz Kahl: „Geschichtliches um das Bäckergewerbe in Obertshausen“, 1983