17. Oktober 2022

H11 YMOS – Wolf und Becker

H11 YMOS – Wolf und Becker

Aufstieg und Niedergang des größten Hausener Unternehmens

Jakob Wolf wird 1899 als Sohn eines Hausener Landwirts geboren. Nach einer Schlosserlehre macht er sich um 1925 selbstständig. Seine erste Werkstatt richtet er sich im Anbau der Hausener Obermühle ein. Dort werden fortan Metallteile für die in der Region ansässigen Lederwarenhersteller produziert. Die bescheidene Werkstatt wird schnell zu eng und so erfolgt bald darauf der Umzug in die Steinheimer Straße 11. 1929 gründet er zusammen mit dem Offenbacher Kaufmann Friedrich Karl Becker die Jakob Wolf & Co. KG. Man spezialisiert sich nun auf die Produktion von Metallbügeln und Schlösser für Damenhandtaschen, die bis 1938 vor allem nach England exportiert werden.

Im zweiten Weltkrieg wird die Produktion auf „kriegswichtige Güter“ umgestellt – wie bei fast allen Unternehmen der Metallindustrie im Deutschen Reich. Ab 1940 werden hierfür Zwangsarbeiter beschäftigt, die größtenteils auf dem Vereinsgelände des FC Teutonia untergebracht sind.

Nach dem Krieg orientiert sich das Unternehmen neu und firmiert 1955 zur YMOS GmbH um. Der neue Name setzt sich aus den ersten Buchstaben des Satzes „You Must Observe Security“ zusammen und bedeutet auf deutsch „Sie müssen die Sicherheit beachten“. Mit diesem Werbeslogan entwickelt sich die YMOS fortan zu einem der wichtigsten Zulieferer für die Automobilindustrie, der in sechs Werken über 5000 Mitarbeiter beschäftigt.

So verdankt Hausen – neben dem Lederwarenhandwerk – dem YMOS-Werk als Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler zu einem bedeutenden Teil seinen Wohlstand. In der Zeit des Wirtschaftswunders entstehen aber auch etliche umweltgefährdende und grundwasserbelastende Altlasten.

Im Jahr 1960 stirbt Friedrich Becker überraschend an einen Herzinfarkt. Nachdem Jakob Wolf 1964 in den Ruhestand geht, übernimmt die zweite Generation – Thomas Becker und Hans Wolf – die Leitung des Unternehmens. Jakob Wolf, der 1965 das Bundesverdienstkreuz und 1966 die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Hausen erhält, verstirbt im Jahr 1982.

1983 beginnt dann ein neues Kapitel der Firmengeschichte. Die YMOS-Werke werden in eine AG umgewandelt, da die nötigen Investitionen nicht mehr allein aus dem Privatvermögen der Familien Wolf und Becker gedeckt werden können. Doch die Umstellung zu einer AG ist nur eine bestimmte Zeitlang erfolgreich. 1989 beginnt die Suche nach einem Großaktionär. Gefunden wird dafür die belgische Unternehmensgruppe Cockerill Sambre, die am 7.2.1990 die Aktienmehrheit bei YMOS übernimmt. Die Söhne der Gründer verlassen in dieser Zeit das Unternehmen.

In den 1990er Jahren wird die YMOS AG schrittweise aufgeteilt und veräußert. Wegen anhaltender finanzieller Schwierigkeiten, stellt die YMOS AG Anfang des Jahres 2008 die Zahlung der Betriebsrenten ein. 1.250 davon betroffene Rentner erstreiten sich daraufhin ihren Rentenanspruch vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht. Kurz darauf meldet die YMOS AG ihre Insolvenz an. Die monatlichen Rentenzahlungen werden deshalb seit dem Jahr 2009 über den Pensionssicherungsverein abgewickelt.

(Grafik, Luftbild YMOS Werk, vielleicht ein aktuelles Foto der YMOS-Brache inkl. dem ehemaligen Werk 6 mit der Drone?)