17. Oktober 2021

H08 – Obermühle

H07a Hausen der Zweimühlenort – Die Obermühle

Das Jurisdiktionalbuch des Amtes Steinheim erwähnt für das Jahr 1576 einen Klas Hofmann als Obermüller. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird ein Nikolaus Winter als Nutzer der Mühlenrechte genannt. Ihm folgten Vater und Sohn Andreas Guldan. Um das Jahr 1750 erwarb Johann Heinrich Komo die Mühlenrechte. Als Erbe trat sein Sohn Johann Martin Komo die Müllerstelle an, der überdies von 1793 bis 1822 als Schultheiß von Hausen und als letzter Markmeister der Biegermark fungierte. Dessen Sohn Peter Komo jedoch verkaufte die Mühle im Jahre 1835 an einen Frankfurter Müller namens Johann Kasper Ziegler.

Mit dem Verkauf an Ziegler begann eine Zeit wechselnder Besitzverhältnisse an der Obermühle. Die Obermüller wechselten sehr häufig und die Mühle gelangte über Adam Sattler, Johann Graf, Georg Burlein, Ernst Pfalzgraf und Michael Mahler im Jahre 1853 in den Besitz der Firma Spicharz und Nollenberg, unter deren Regie in Offenbach eine Gerberei betrieben wurde. Den Wünschen der neuen Besitzer entsprechend wurde auch der Verwendungszweck der Obermühle geändert und sie wurde in eine Lohmühle umgewandelt. Aus Eichenrinde wurde der für den Vorgang des Ledergerbens notwendige Anteil an Lohe gemahlen. Ein gewisser Josef Döbert wurde der erste Lohmüller. Seine Nachfolge trat im Jahre 1875 Franz Jäger aus Hainhausen an, der sie an seinen Sohn – Michael Jäger II. – vererbte, von dem sie auf August Jäger, den letzten Müller der Obermühle überging.

Die Obermühle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch auf elektrischen Betrieb umgerüstet und bis ins Jahr 1958 weiterbetrieben. Im Rahmen der Flurbereinigung und zum Schutz vor Hochwasser, wurde die Rodau in ihr heutiges Bett, außerhalb der Bebauungsgrenze verlegt. Sicher hatte auch das stark wachsende Industriegebiet seinen Teil dazu beigetragen. Einen Industriezubringer gab es zu dieser Zeit noch nicht, und so mussten der komplette Verkehr, der z.B. durch die Firma YMOS verursacht wurde, über die Mühlstraße durch den Ort geführt werden. Eine entsprecht aufwendige Brücke wäre nötig geworden, hätte an der Stelle noch die Rodau die Mühlstraße gekreuzt. Somit war ein Weiterbetrieb der Mühle mangels Wasseranbindung nicht mehr möglich und musste daher aufgegeben werden.

Durch eine Verbreiterung der Mühlstraße verlor die Obermühle einen Teil ihres Anbaus und in den weiteren Jahren verfiel sie zusehends immer mehr und viel in den sprichwörtlichen Dornröschenschlaf. „Wachgeküsst“ wurde sie allerdings nicht, denn in den 2000er Jahren verschwand sie endgültig und wurde durch einen Neubau ersetzt.

Leider war dies kein einmaliger Vorgang. Immer wieder werden in Obertshausen und Hausen alte, eigentlich erhaltenswerte, Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Während anderswo, wie z.B. in Mühlheim, das kulturelle Erbe erhalten wird und eine Bereicherung der jeweiligen Ortskerne darstellt, werden in Obertshausen leider allzu oft historische Gebäude für scheinbar höhere Ziel geopfert. Zurück bleibt eine Kommune, die immer gesichtsloser, man könnte auch sagen geschichtsloser wird. Schade darum.

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Grafik unterschiedlicher Verlauf der Rodau

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Hinter dem Garten des Gasthauses zum Schützenhof floss die Rodau, Blick auf die Obermühle, vor 1915

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Obermühle in den 1920er Jahren, der Müller ist Michael Jäger

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Panorama Hausen, Obermühle, Gasthof zum Goldenen Engel, Postkarte 1929 gelaufen

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Die Obermühle in den 1930er Jahren

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Die Borngasse, links die Obermühle, heute Mühlstraße.

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H07ag An der Obermühle Hausen mit Sohn von August Jäger

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Der letzte Müller der Obermühle August Jäger mit Ehefrau Anna, Schwägerin Josefine Wollmann und vermutlich Enkelkind im Hof der Obermühle Hausen

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Obermühle Hausen Mutter von August Jäger mit seinen Kindern

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Am Mühlrad der Obermühle

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Obermühle Hausen kurz vor ihrem Abriss in den 2000er Jahre