17. Oktober 2021

H05 – Marktplatz

H05 Marktplatz mit Wiegehäuschen

Hausen hat sich als Dorf entlang einer einzigen, langgezogenen Straße entwickelt. Von daher fehlte hier ein Platz in der historischen Ortsmitte, wie ihn viele andere Orte haben. Der heutige Marktplatz lag Anfang des 20. Jahrhundert noch dort, wo früher der Ort zu Ende war. Erst mit dem Bau der St. Josefskirche im Jahr 1899, der neuen Schule (Friedrich-Fröbel-Schule) im Jahr 1902 und der beginnenden Bebauung der Seligenstädter-, Fröbel- und Karlstraße, rückte der Marktplatz mehr ins Zentrum des Ortes. Den Namen Marktplatz hat dieser Ort vom Volksmund erhalten.

Woher der Name kommt bleibt also bis heute im Dunkeln, da es keine Nachweise in über einen hier regelmäßig stattfindenden Markt gibt. Einer mündlich überlieferten Spur kann aber in Zukunft einmal nachgegangen werden. Der Volksmund berichtet, dass über den sogenannten Judenpfad, der hinter dem Friedhof an der Schwarzbachstraße endet, früher jüdische Händler aus Steinheim und Kleinauheim nach Hausen gekommen sind, um hier ihre Waren zu verkaufen. Dies könnte durchaus auf dem Marktplatz außerhalb des Ortes geschehen sein. Letzteres ist momentan noch Spekulation; den Judenpfad im Hausener Wald hat es aber tatsächlich gegeben.

Ähnlich wie am Dalles in Obertshausen, gab es am Marktplatz in Hausen bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine „Gemeindewaage“. Auf der anderen Seite der Straße errichtete die Gemeinde Hausen im Jahr 1928 ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges. Während der Zeit des Nationalsozialismus, wurde hier Aufmärsche und Kundgebungen, z.B. am 1. Mai abgehalten. 1958 wurde das Kriegerdenkmal abgetragen und auf dem Friedhof in Hausen eine neue Gedenkstätte für die Gefallenen des ersten und zweiten Weltkrieges errichtet. Während des zweiten Weltkrieges wurden auf dem Marktplatz Speisungen durch das Winterhilfswerk der Nationalsozialisten durchgeführt. Bis in die 1950er Jahre fand auf dem Marktplatz auch das Kirchweihfest statt. Der zunehmende Verkehr hatte den Platz aber immer unattraktiver gemacht, so dass zukünftig die Feste an anderen Orten stattfanden Der Marktplatz war nun anscheinend nur noch für ein Buswartehäuschen und eine öffentliche Toilettenanlage zu gebrauchen – vor allem letztere war in der Bevölkerung Ziel von Spott und Kritik.

Die Neugestaltung und damit verbundene Aufwertung des Hausener Marktplatzes im Mai 1992 stand ganz im Zeichen der Städtepartnerschaften. Geprägt wird der Platz fortan von den „Händen der Freundschaft und Verständigung“, Plastiken des Künstlers Louis Molinari aus Sainte Geneviève; die Hände tragen die Wappen der drei Städte Laakirchen, Sainte Geneviève und Obertshausen. Am 9. Mai 1992 wurde das neue Schmuckstück des Stadtteils mit einem großen Fest eingeweiht. Jährlich veranstaltet das Deutsche Rote Kreuz Hausen hier am 1. Mai ein großes Fest.

Wegen der emporgereckten Hände, fühlten sich manche Bewohner an im Boden versinkende Menschen erinnert – und so bekam der Platz im Volksmund schnell einen eigenen Namen: „Das Hausener Moor“.

Die jüngste Partnerstadt Obertshausens, das thüringische Meiningen, wurde auf dem Hausener Marktplatz noch nicht gewürdigt, weil die seit 1990 bestehende Freundschaft erst am 7. Dezember 2007 in eine offizielle Partnerschaft umgewandelt wurde. Momentan gibt es nur einen Meininger Platz, der im Zuge des S-Bahn-Baus neben dem Bahnhof neu entstanden ist. Bleibt also zu hoffen, dass in baldiger Zukunft eine weitere Hand der Freundschaft und Verständigung das Meininger Wappen auf dem Marktplatz empor hält.

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Um 1900 ist der Marktplatz noch ein Stück Feld am Ende des Orts.

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In der Zeit des Nationalsozialismus dient der Marktplatz als Aufmarschort und für Kundgebungen, da hier das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges steht.

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Aufmarsch von Wehrmachtsoldaten vor dem Kriegerdenkmal.

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Speisung während des zweiten Weltkrieges durch das Winterhilfswerk der Nationalsozialisten auf dem Marktplatz.

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Der Marktplatz mit Wiegehäuschen über das die Ortswaage bedient wurde.

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Adam Josef Jäger mit seinem Fuhrwerk auf der Gemeindewaage, vermutlich in den 1930er Jahren.

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Im Jahr 1950 wurde der Erweiterungsbau der Fröbel-Schule eingeweiht. Dazu wurde ein mehrtägiges Fest u.a. auf dem Marktplatz veranstaltet. Auf dem Foto ist ein „lebendiges“ Schachbrett zu sehen.

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Nachdem das Wiegehäuschen und die Gemeindewaage abgetragen wurden, sind auf dem Marktplatz nur noch eine Grünanlage und ein paar Bänke übriggeblieben. Das Foto ist vor 1958 entstanden, da im Hintergrund noch das Kriegerdenkmal zu sehen ist.

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Ein Luftbild, auf dem neben dem Marktplatz auch die Friedrich-Fröbel-Schule und die St. Josefskirche zu sehen ist. Es ist vor 1957 entstanden, da die Schule noch keine Gymnastikhalle besitzt und das Kriegerdenkmal noch nicht abgetragen wurde.

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Auf dem Marktplatz steht nun ein Warte- und Toilettenhäuschen. Später wurde der Warteraum zu einem Ausstellungsraum für die Fa. Fliesen Fischer.

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Im Jahr 1992 wurde der Marktplatz so umgestaltet, wie wir ihn heute kennen.